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CATI-Vortrag auf der innteract conference 2015

Industrie 4.0 – auch die Automobilindustrie steht vor einem Umbruch
CATI-Präsentation auf der diesjährigen innteract Konferenz an der TU Chemnitz

Die deutsche Automobilindustrie ist international in höchstem Maße wettbewerbsfähig. Dieser Erfolg basiert ganz entscheidend auf der technischen Fähigkeit zur stetigen Entwicklung und Umsetzung von Produkt- und Prozeßinnovationen. Mit Industrie 4.0 stellt sich jetzt eine Herausforderung, die über rein technische Aspekte hinausreicht. Auch die Automobilindustrie muss sich darauf einstellen.

„Industrie 4.0 bezieht ihr Gestaltungspotential aus Daten und Informationen, die in Echtzeit erfasst, verarbeitet und bereitgestellt werden können. Aus dieser intelligenten Vernetzung erwächst ein Potential zur Umgestaltung von Einzelprozessen, Prozeßfolgen und gesamten Geschäftsprozessen. Dies ist die Herausforderung, vor der wir stehen“, so Prof. Werner Olle vom Chemnitz Automotive Institute (CATI) auf der innteract conference Anfang Mai.

Heutige Effizienzprogramme stoßen an ihre Grenzen

Kürzere Lebenszyklen der Fahrzeugmodelle, Verengung der Fahrzeugsegmente, geringere Stückzahlen je Modell, steigende Produktkomplexität, vermehrte Produktanläufe, rasant wachsende Globalisierung – dies sind nur einige der Herausforderungen, auf die die Automobilhersteller mit ihren heutigen Strategien zur Effizienzsteigerung reagieren.

Im Kern handelt es sich dabei um zwei sich ergänzende Strategien:

  • Erzielung von Volumenvorteilen (economies of scale)
    Diese Volumenvorteile sind nicht mehr durch steigende Stückzahlen eines kompletten Fahrzeuges zu erzielen, sondern durch die Standardisierung von Komponenten im Rahmen von Baukasten- und Plattformstrategien.
  • Erzielung von Verbundvorteilen (economies of scope)
    Die OEMs haben ihre Fertigungstiefe kontinuierlich reduziert und haben mittlerweile bis zu 75 % der automobilen Wertschöpfung an Lieferanten übertragen.

Schlüssel für beide Strategien ist die Modularisierung des Produkts, das in modularen Prozess-, Infrastruktur- und Fabrikmodulen seine Fortsetzung findet.

Dieses Potential ist noch nicht gänzlich ausgereizt, aber es stößt zunehmend an Grenzen.

Industrie 4.0 in Produkt, Produktion und Geschäftsprozeß

Vernetzung, Konnektivität, Digitalisierung – so lauten die Schlüsselbegriffe, die auf die Automobilindustrie zukommen und die Bestandteil einer Zukunftsvision Industrie 4.0 sind. Diese neue Welt betrifft das Produkt, dessen Produktion und den gesamten Geschäftsprozeß (siehe Abbildung).

  • Produkt: diese Herausforderung haben alle Hersteller und Systemlieferanten intensiv angenommen; sie stoßen dabei auch auf Herausforderer aus anderen Branchen.
  • Produktion: hier steht überwiegend die weitere Automatisierung (incl. neuer Mensch-Roboter-Kollaborationen) im Vordergrund sowie die Vernetzung von Maschinen und Anlagen. Die externe Vernetzung im Sinne einer wechselseitigen Transparenz zwischen Herstellern, Lieferanten und Dienstleistern kommt immer noch einem Tabubruch gleich.
    Eine integrative Vernetzung innerhalb der Fabriken – fertigungsbereichsübergreifend, Einbindung der produktionsunterstützenden Funktionen von Qualitätssicherung bis Logistik in Echtzeit – steht noch am Anfang.
  • Geschäftsprozesse: hier ist das Potential von Industrie 4.0 noch gar nicht angekommen. Beispielsweise erfolgen Entwicklungs- oder Auftragsprozesse wie eh und je.

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Industrie 4.0 ermöglicht economies of community

„Was wir begreifen müssen, ist das Potential, das aus Echtzeit-Daten und Online-Transparenz für den unternehmerischen Erfolg resultieren kann. Wir können in der Fabrik Steuerungslogiken und Verantwortlichkeiten dezentralisieren, wir können Transparenz in internen und externen Wertschöpfungsketten schaffen, wir können offene und globalisierte Innovationsprozesse erzeugen, wir können den uralten Wunsch nach lebenslangem Lernen auf neuen individualisierbaren medialen Plattformen ermöglichen …und und und. Im Ergebnis erreichen wir Effizienzvorteile bei Ressourcen, Geschwindigkeit und Flexibilität durch – nennen wir es – economies of community “, so Prof. Olle.

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Prof. Olle auf der innteract conference 2015