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Vernetzt, elektrisch, autonom – ist dies die Zukunft des Automobils ?

Das Chemnitz Automotive Institute hat sich in einem kurzen Pressebeitrag zu diesen drei technologischen Mega-Trends geäußert. Unter dem Titel ‚Ein Computer auf vier Rädern’ ist dieser in der Sonderbeilage ‚Innovationstreiber IKT’ der F.A.Z. vom 19. November 2015 erschienen.


Ein Computer auf vier Rädern

Das Auto ist schon heute ein Hightech-Produkt. Und es spricht viel dafür, dass innovative Soft- und Hardwaresysteme im Kraftwagen künftig noch öfter zum Einsatz kommen. Das größte Potential bieten dabei die Bereiche autonomes Fahren und die Vernetzung von Pkws. Von Werner Olle und Christoph Igel

Die automobile Welt verändert sich dramatisch und rasant. Vor allem aus den Vereinigten Staaten betreten innovative, branchenfremde Anbieter die internationale Bühne mit wegweisenden Produkten oder ganz neuen Geschäftsprozessen in der Automobilentwicklung durch Nutzung einer globalen Entwicklungsgemeinde via Internet. Damit nicht genug: Auch die großen Technologiekonzerne haben das Auto als Geschäftsfeld für sich entdeckt. Die drei großen Trends in dem Bereich lauten: vernetzt, elektrisch, autonom. Ob und in welchem Maße sie sich durchsetzen, hängt vor allem davon ab, welchen bezahlbaren Nutzen sie den Kunden bringen.

Car-to-X-Kommunikation im Trend

Klar ist: Das Internet hat die Welt erobert, auch das Auto. Menschen, die ihre Smartphones in der Fußgängerzone, im Restaurant und beim Joggen nutzen. Wollen auch im Pkw nicht darauf verzichten. Das lässt den Herstellern keine andere Wahl, als den Gebrauch von Smartphones einschließlich vorhandener Apps zu ermöglichen und sie mit der Elektronik des Autos zu verbinden. Der Anspruch nach Vernetzung und Konnektivität bleibt allerdings nicht hier stehen. Vernetzung bleibt zwangsläufig eine Car-to-X-Kommunikation – das heißt: eine Kommunikation mit anderen Fahrzeugen, Verkehrsleitsystemen sowie Objekten des Umfeldes, etwa Tankstellen und Parkplätzen. Bei dieser Art der Kommunikation geht es um Echtzeitinformationen – es werden nicht nur wie beim Navigationsgerät Orte lokalisiert, sondern es werden ergänzend eine Mobilitätssteuerung und intelligente Mobilitätsservices angeboten. Beispiele dafür sind unter anderem fahrzeugflussbasierte Routenplanungen, der Vergleich von Benzinpreisen, eine Anzeige der aktuellen Belegung von Parkangeboten inklusive der Präsentation möglicher alternativer Stellplätze.

Die Situation stellt sich ambivalent dar. Auf der einen Seite stößt die Vision vom autonomen Fahren nach dem Befund diverser Befragungen auf erhebliche Widerstände bei Autofahrern. Auf der anderen Seite ist das teilautonome Fahren heute schon Realität – etwa durch den rapiden Anstieg von Fahrerassistenzsystemen. Einige der elektronischen Assistenten senden lediglich Warnsignale an den Fahrer, bei anderen übernimmt das Auto selbständig die als notwendig oder gewünscht erachtete Aktion, zum Beispiel die Notbremsung, das Einparken oder den Spurwechsel. Künftig werden sich Assistenzsysteme selbst aktivieren, wenn die im Fahrzeug integrierte Sensorik dies für erforderlich hält.

Assistenzsysteme stellen insofern eine andere Qualität der Vernetzung dar, da hier Daten des Umfeldes direkt mit Daten des Fahrzeuges gekoppelt werden. Dabei geht es auch um die Datenhoheit der dadurch möglichen Services. Die Automobilhersteller haben das längst erkannt und reagieren durch den Ausbau und Zukauf von IT-Kompetenz. So haben beispielsweise Audi, BMW und Daimler gemeinsam den Online-Kartendienst Nokia Here übernommen, um in diesem Bereich nicht von Google oder Apple abhängig zu sein. Auch bauen die Automobilhersteller ihre Rechenzentren aus, gründen Data Labs und siedeln sich allesamt mit Forschungsbüros in direkter Nachbarschaft zu den Tech-Riesen im Silicon Valley an, um am Kreativitätspotential und an der dort vorhandenen Big-Data-Kompetenz zu partizipieren.

Die Kunden entscheiden über den Erfolg

Während das vernetzte und teilautonome Fahrzeug massiv auf dem Vormarsch ist, hängt die Elektromobilität allerdings noch in der Warteschleife. Die Argumente, die einen weiteren Fortschritt verhindern, sind bekannt. Sie liegen – zumindest in Deutschland – in den unterentwickelten Anreizen und insbesondere der mangelhaften Ladeinfrastruktur mit Schnell-Ladesystemen. Aber auch auf der Herstellerseite fehlen noch die letzten Schritte – so sind die Reichweiten immer noch vergleichsweise gering. Das drückt die Nachfrage, weshalb die teuerste Komponente im Elektroauto – die Batterie – nicht in ausreichenden Stückzahlen und damit nur zu hohen Preisen hergestellt werden kann. Bei gesunkenen und weiter sinkenden Ölpreisen sowie reduzierten Verbrauchswerten konventioneller Antriebe ist der Kunde offenkundig nicht bereit, mehr Geld für ein Auto zu investieren, das – je nach Nutzung – mit Einschränkungen verbunden ist.

Die Vernetzung des Autos sowie pilotiertes und teilautonomes Fahren werden zukunftsprägend sein, da sie Kundenwünsche treffen und durch branchenübergreifenden Wettbewerb vorangetrieben werden. Demgegenüber verhindern auskömmliche Marktgrößen den Durchbruch bei der Elektromobilität. Anzeichen, dass sich daran etwas ändert, sind derzeit nicht auszumachen.