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Vom globalen Hype zum individuellen Nutzen

Vom globalen Hype zum individuellen Nutzen

Eine Fallstudie des Chemnitz Automotive Institute zeigt, dass Unternehmen der sächsischen Zulieferindustrie im Umgang mit Industrie 4.0 weiter sind als erwartet.

Erst war es die Dampfmaschine, dann das Fließband und später die Elektronik – derzeit findet die vierte industrielle Revolution statt. Damit gemeint ist die Vernetzung von Produkt, Maschine und Werkzeug, bei der riesige Datenmengen entstehen. In Deutschland wird diese Entwicklung als „Industrie 4.0“ bezeichnet, doch manches Unternehmen betritt hier Neuland. Dies trifft nicht auf die sächsische Zulieferindustrie zu, denn hier zeichnet eine aktuelle Studie des Chemnitz Automotive Institute (CATI), die im Rahmen eines Technologieprojektes zur „Digitalisierung der Produktion“ durchgeführt wurde, ein optimistisches Bild. „Bei unserer dreimonatigen Fallstudie, an der 25 Zulieferer beteiligt waren, wird deutlich, dass der industriepolitische Weckruf für eine Industrie mit Zukunft in der Unternehmerschaft eindeutig angekommen ist“, berichtet Prof. Dr. Werner Olle vom CATI-Direktorium, und ergänzt: „Lediglich am hochgepushten Begriff Industrie 4.0 und dessen inflationären Gebrauch stören sich einige Firmenvertreter.“ Den in die Untersuchung eingebundenen Unternehmen sei durchaus bewusst, dass durch Vernetzung und Digitalisierung von Produktions- und Geschäftsprozessen neue Potenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette erschlossen werden können. „Projekte werden jedoch nur dann und meistens schrittweise in Angriff genommen, wenn für das Unternehmen die Kosten-/Nutzen-Relation stimmt“, sagt Prof. Olle.

Die bei den befragten Unternehmen vorrangig realisierten oder begonnenen Projekte hat das CATI-Team vier wesentlichen Anwendungsfeldern zugeordnet:

  • die Prozessteuerung und -überwachung in Echtzeit;
  • die Digitalisierung von Abläufen – auch in administrativen Bereichen;
  • der Einsatz von Assistenzsystemen
  • sowie die Vernetzung von Insel-Lösungen in der Automatisierung.

Hinzu kommen drei weitere Optimierungsfelder, in denen die befragten Unternehmen Potentiale sehen: in der orts- und nutzerbezogenen Bereitstellung von Daten und Informationen auf mobilen Endgeräten; im Einsatz durchgängiger Ident-Technologien, zum Beispiel RFID, und in der Schaffung von transparenten Wertschöpfungsketten vom Kunden bis zum Lieferanten.

„Aus den Anwendungs- und Optimierungsfeldern haben wir letztlich einen unternehmensbasierten Wegeplan auf dem Weg zur Zukunftsvision Industrie 4.0 identifiziert, dem auch andere Unternehmen in der Region folgen können. Die Ergebnisse machen Mut und können weitere Unternehmen zur Nachahmung anregen. Natürlich müssen auch die Rahmenbedingungen passen, die von der IT-Infrastruktur bis zur zukunftsfähigen Ausbildung und Qualifizierung reichen“, so das Fazit und der Wunsch von Prof. Olle.

Ergebnisse der Studie konnten bereits Anfang Dezember auf dem RKW – Fachforum ‚Erfolgsfaktor eBusiness’ im Porsche-Werk in Leipzig und auf dem 12. Mitteldeutschen Unternehmertag einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Zeitschrift ‚Autoland Sachsen’ wird in ihrer Ausgabe I/2016 ebenfalls zu Ergebnissen der Studie berichten.

Die Studie „Industrie 4.0: vom Hype zum shop floor“, die viele Projektbeispiele aus der Unternehmenspraxis enthält, kann über das Chemnitz Automotive Institute bezogen werden.

Kontakt: TUCed – Institut für Weiterbildung GmbH, CATI – Chemnitz Automotive Institute, Prof. Dr. Werner Olle, Telefon 0371 909490, E-Mail werner.olle@cati.institute, http://www.cati.institute